Das war ja was… die Ankunft am Donnerstag Abend bei strömendem Regen war schonmal ein netter Einstieg. Beim abholen unserer Bändchen kamen wir uns vor wie Kriegsflüchtlinge, die in ein Auffanglager kommen. Zu unserem eigentlichen Zeltplatz kamen wir garnicht erst durch, bei all dem Schlamm, also campten wir spontan auf halbem Weg.

Der nächste Tag fing schon besser an… nach ein paar Dosen Bier gings einem auch schon wieder viel besser. Nachdem ich die ersten paar Bands traditionsgemäß verpasst hab gings zu den Fantastischen Vier. Nach drei Songs gings aber auch schon wieder weg. Nichts gegen die Band, aber live kann ich mit denen irgendwie nichts anfangen. Also noch mehr Bier und zu den Beastie Boys wieder hin. Und wow, was war das denn für eine Hammershow. Vor der 60s-Deko der Bühne standen die Beasties in Anzügen und machten den Blues Brothers alle Ehre. Das Set war der reine Wahnsinn, Punk, Rap, Elektro, gejamme… alle Songs in total abgedrehten Versionen. Leider musste ich bei der Zugabe nach Intergalactic gehen, um noch die Queens of the Stone Age auf der blauen Bühne zu erwischen. Auch wenn Josh Homme leicht unmotiviert wirkte waren die Songs doch großartig gespielt, vor allem der Song for the Deaf war super. Beim neuen Battery Acid bekam die Atmosphäre auf der Bühne etwas unheimliches, eigenartiges… besonderes. Tolle Band, aber doofes Publikum. Erwarungsgemäß wurde ausgerechnet Little Sister, bei weitem nicht der beste Quotsa-Track, am wildesten abgefeiert. Viel schlimmer als das: die Riffs von Burn the Witch und No One Knows wurden auch noch in bester Volksfest-Manie mitgesungen. Autsch. Ärgerlich an diesem Tag: The Good, The Bad & The Queen konnte ich leider nicht sehen.

Samstag also. Der Tag an dem mich die wenigsten Bands interessierten. The Sounds mit ihrer sehr gelenkigen Sängerin waren dann doch ziemlich cool. Vor allem der Kameramann hatte wohl seinen Spaß (und einen ausgeprägten Fuß-Fetisch noch dazu). Erst zoomt er an ihren Schritt und schwenkt dann verschämt sofort wieder weg. Die zweite Hälfte von Mogwai hab ich dann auch noch gesehen. Eigentlich ganz cool, aber irgendwie klang doch alles ähnlich und einen Hauch zu lahm. Der Kommtentar eines bekannten: „Wie Isis, nur ruhiger.“ Aber dazu später. The Arcade Fire war danach sogar noch bessre als ich ohnehin erwartet hatte. Das Riesen-Orchester hatte sichtlich Spaß und ging ordentlich ab. Der Tamburinist, oder was immer siene Aufgabe war, zertrümmerte noch genüßlich ein Becken und schon war das Konzert vorbei. Zurück zum Zeltplatz, aufs Klo, nochn Bier und ein bisschen Rotwein aus Tetrapacks und ziemlich besoffen wieder hin zum Gelände. Die Wahl zwischen Incubus und besoffen um das „Jesus-Loves-You“-Kirchenzelt tanzen fiel in diesem Zustand dann (leider?) auf der Kirchenzelt. Immerhin haben wir noch zu Pistola und Megalomaniac abgehen können. Auf dem Weg zu Manson trafen wir dann einen Typen der Nirvana, Screaming Trees, Kyuss und auch sonst jede Band die wichtig ist gesehen hat… voll von purem Neid also weiter zu Marilyn Manson, der wahrscheinlich auf seinem Niveau ziemlich gut war. Davon hab ich aber nicht so unglaublich viel mitbekommen, vom Becks-Stand aus. Die Spaß-Anrufe bei fremden haben eh viel mehr Spaß gemacht. Kurz nich bei Interpol vorbei, allerlei Quatsch anstellen, und über einen gigantischen Umweg direkt zurück zum Zelt. Ende Tag zwei.

Sonntag: Morgens erstmal von Isis wachrütteln lassen. 40 Minuten, 4 oder 5 Songs. Hellwach. War ja auch super. Dann gings erstmal eine ganze Weile durch den Bootleg-CD-Laden-Bazar, wo einer meiner Begleiter über 70 Euro gelassen hat (u.a. für eine Nine Inch Nails-Live-DVD vom Woodstock ‘94!). Kings of Leon waren später ziemlich cool; mich haben sie jedenfalls überzeugt. Dann kam endlich mein drittes von vier Highlights (nach Quotsa und Beastie Boys), nämlich Sonic Youth. Großartig gelaunt spielten sie hauptsächlich Songs von Rather Ripped und Daydream Nation, Kim Gordon tanzte Extatisch und Thurston Moore vergewaltigte (kein Scheiß!) einen Kameramann mit seiner Gitarre. Großes Kino. Bei Placebo haben wir uns schonmal unseren Platz für Pearl Jam gesichert. Die Band war auch ziemlich gut, super gelaunt und die Ansagen waren auch noch gut („…ein bischen Rock’n'Roll und Rock’n'Schwul“). Sogar Songs die ich vorher nicht sonderlich mochte gefielen mir, bestes Beispiel der Eröffner Infra-Red. Dann gings nach einer scheinbar ewigen Umbaupause endlich zur Sache. Pearl Jam kommen auf die Bühne, die Welt steht Kopf, alle Schmerzen in Beinen und Nacken sind vergessen. Irgwndwo haben ich mal über ein Pearl Jam-Konzert gelesen „das waren keine Songs, das waren Gebete“. Jetzt verstehe ich den Satz. Das war ein Gottesdienst und Eddie Vedder war der Gott. Bei einem Song (ich weiß nicht mehr welcher) stand Vedder im Spotlight, alleine mit seiner Gitarre, und ich musste unweigerlich an das göttliche Licht aus Blues Brothers denken. Unfassbar was da abging. Spätestens als Black von den Fans ein zweites mal angestimmt wurde war die Atmosphäre nicht mehr zu überbieten.

Nach den Bands noch zu den lustigen Festival-Kleinigkeiten: der Song über Hank, den ersten Drogentoten… ein betrunkener Ire (angeblicher Name: Jooooooosh) hat uns einige Stunden belästigt wie belustigt. Wenn wir Where is my Mind? von den Pixies angestimmt haben hat er zwei Zeilen mitgesungen und ist eingeschlafen. Verrücktes Volk. Genauso wie diese Australierin, die im Top durch den Regen lief und mein betrunkenes Englisch kaum verstanden hat. „You’re not dirty yet? You will be dirty by sunday!“. Dann haben wir beim lustigen „raten was der Typ fürn T-Shirt kauft“ spielen im Merch-Zelt noch eine gebürtige Holländerin namens Denise getroffen, die uns für „die kranksten Menschen“ die sie je getroffen habe hielt. Und das nur weil wir uns bei Manson gegenseitig georfeigt haben. Zieht zwar erst etwas, aber danach ist die Wange schön warm. Sie gab uns ein paar Handynummern, bei denen wir dann mit falschen Namen angerufen haben… „Wir haben die Drogen gleich durch den Zoll! Mach dir keine Sorgen!“ Was war noch? Achja, die lilahaarige C („englisch c ausgesprochen“) bat mir Chips an. Nett, oder? Ich solle ja auch an meine Electrolyte denken. War sonst noch was? Ach ja, die obligatorische Zerstörungsorgie am letzten Tag. Ein unbemannter Pavillion und vier Grills mussten dran glauben. Und ihr glaubt nicht wie gut man mit Grills und Metallstangen Golf spielen kann. Mir fallen auf einmal so viele Sachen ein, die ich garnicht so schnell aufschreiben kann… „7 Weiber, 14 Titten…“ und der Rest ist jedem selbst überlasen. „Pimmelburger, lang und saftig! Pimmelburger, eine Mark und achtzig!“ Oh Mann… „Scheiße Kacke nä ey!“ … naja, bevor ich nich mehr Insider raushaue noch ebne zur Rückfahrt. Auch schon fast Tradition wurden wir aus dem Zug geschmissen, diesmal in Konigsweyen… ich glaub so hieß das. Da konnten wir dann erstmal 2 Stunden mehr oder wenig gemütlich schlafen bis unser Niedersachsenticket gültig war.

Fazit: von den Bands her mein bestes Hurricane bisher. Abschließend nochmal aus Prinzip meine persönliche Top Five der Auftritte dieses Jahr:
1. Pearl Jam
2. Beastie Boys
3. Sonic Youth
4. Queens of the Stone Age
5. Arcade Fire

Aber wer macht bei sowas schon eine Top-5-Liste. Ansonsten: bis nächstes Jahr.



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