Warten auf den großen Knall
Ziemlich genau in der Mitte offenbart sich hinter den netten, geradezu poppigen Akkorden eine fast unerträglich bedrohliche Atmosphäre. So schlagartig wie sie einsetzt ist dieser kurze Anflug auch wieder vorbei. Nach fast 4 Minuten ist der erste Song Reena zu Ende und Sonic Youths letztes Album Rather Ripped schon in voller Fahrt.
Wobei die volle Fahrt im Vergleich zu anderen Alben um einige Gänge zurückgeschaltet wurde, wie die folgenden Songs untermauern. Do You Believe In Rapture bleibt komplett ohne Höhepunkte, und das meine ich in einem vollkommen positiven Sinn, nicht in so einem Placebo-vorgetäuschter-Orgasmus-fehlender-Höhepunkt-Sinn (vielleicht ist gerade das der Höhpunkt). Zwischendurch Schlafliedähnlich, ein guter Traum in ruhigem Schlaf, wie kitschig es auch klingt, das ist sind die Worte das diesen Song beschreiben. Auf die soeben geschaffene Idylle folgt ein Hauch von Energie. Unterdrückter Energie, die danach schreit, rausgelassen zu werden, mit einem kräftigen Feedback, einer bis zum Anschlag verzerrten Gitarre.
What a waste? Mitnichten… das ruhige, freundliche, zurückhaltende steht der Band. Selbst die schief wirkenden Akkorde eines Jams Run Free trügen die oberflächliche Ruhe nicht. Doch unterhalb der Songs brodelt es. Das enttäuschte Warten auf den Knall stellt in meinen Augen die größte Stärke dieser Platte da. Die Band muss sich nicht als Noise-Frickler profilieren, sie gehen das ganze gelassener an. Das Laute und Zerstörerische wird zwischendurch immer wieder angedeutet, in Tourquoise Boy, Reena oder Sleeping Around. Dennoch ist die Platte ist durchweht von einer schwebenden Leichtigkeit… und wieder schweife ich übelst in den Kitsch ab, aber besser kann ich es nun mal nicht beschreiben.
Der hohe Pop-Gehalt der Platte wird kurz vor Ende durch Pink Steam gebrochen. Die knapp 7 Minuten kommen fast komplett ohne Gesang aus. Wobei ich an dieser Stelle eingestehen muss, dass die Platte durchaus Schwächen hat. Die Songs weisen alle eine gewisse Ähnlichkeit zueinander aufweisen und sicherlich ist Rather Ripped nicht das abwechslungsreichste Sonic Youth-Album. Viele mögen die zurückhaltenden, ruhigen Songs auch als langweilig empfinden, vor allem verglichen mit älteren Songs. Dennoch ist Rather Ripped eine Platte, von der sich jüngliche Indie-Songwriter eine gewaltige Scheibe abschneiden können. Und wer die laute Seite von Sonic Youth hören möchte wird dieser Tage mit der B-Seiten-Compilation The Destroyed Room ruhiggestellt. A look of space and total life, ready or not.
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Tags: rather ripped, sonic youth
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